Die oberflächennahen Sedimente in Schwerin sind geprägt von den weichselkaltzeitlichen Ablagerungen des Pommerschen Stadiums – Geschiebemergel, Schmelzwassersande und Beckentone wechseln sich auf kurzer Distanz ab. Diese heterogene Geologie, kombiniert mit den zwölf Seen im Stadtgebiet und einem Grundwasserspiegel, der in Ufernähe oft nur 1,5 bis 3 Meter unter Gelände liegt, stellt besondere Anforderungen an die Baugrunderkundung. Mit der geoelektrischen Widerstandsmessung lassen sich Schichtgrenzen, Sandlinsen und tonige Weichschichten zerstörungsfrei kartieren, bevor mechanische Aufschlüsse geplant werden. Das Verfahren eignet sich in Schwerin besonders für die Erkundung von Bauflächen in den Stadtteilen nahe dem Schweriner See, wo saisonale Grundwasserschwankungen und organogene Einlagerungen die Tragfähigkeit beeinflussen. Ergänzend zur Sondierung setzen wir die Korngrößenanalyse ein, um die aus den Widerstandswerten abgeleiteten Schichtansprachen im Labor zu verifizieren.
Die vertikale elektrische Sondierung ist im glazial geprägten Untergrund Schwerins das bevorzugte Verfahren, um Sandhorizonte unter gering tragfähigen Beckentonen zu identifizieren.
Methodik und Umfang
Lokale Besonderheiten
Die Untergrundverhältnisse in Schwerin unterscheiden sich zwischen dem westlichen Stadtgebiet um Neumühle und den östlichen Bereichen nahe dem Ziegelsee teilweise erheblich: Während im Westen mächtige Beckenschluffe mit eingeschalteten Muddelagen dominieren, die bei der Widerstandsmessung extrem niedrige Werte unter 20 Ohmmeter liefern, stehen im Osten oft sandige Hochflächenreste mit spezifischen Widerständen von mehreren Hundert Ohmmeter an. Wird dieser Kontrast nicht durch eine ausreichende Messpunktdichte aufgelöst, besteht das Risiko, dass ein schmaler, erosiv eingetiefter Tonkeil zwischen zwei Sandhorizonten unentdeckt bleibt und später zu ungleichmäßigen Setzungen führt. Besonders kritisch ist dies bei Bauvorhaben in der Paulsstadt oder der Schelfstadt, wo historische Aufschüttungen und alte Seekreideablagerungen den geoelektrischen Schichtaufbau zusätzlich verkomplizieren. Eine Kalibrierung der VES-Ergebnisse mit mindestens zwei direkten Aufschlüssen pro Messlinie reduziert solche Interpretationsspielräume.
Referenznormen
DIN 18134 – Baugrund; Versuche und Versuchsgeräte; Plattendruckversuch (Referenz für bodenmechanische Kennwerte), DIN EN 1997-2 – Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik – Teil 2: Erkundung und Untersuchung des Baugrunds, DIN 4020 – Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke – Ergänzende Regelungen zu DIN EN 1997-2
Verwandte Dienstleistungen
VES-Messkampagne nach DIN 18134
Durchführung von vertikalen elektrischen Sondierungen mit kalibrierten Multielektroden-Systemen im Raum Schwerin, inklusive Auslageplanung und Kontaktwiderstandsoptimierung auf bindigen Böden.
Geoelektrische Profilerstellung und Inversion
Auswertung der Messdaten mit 1D- und 2D-Inversionsalgorithmen, Erstellung von Widerstands-Tiefen-Profilen und Ableitung eines geotechnischen Schichtmodells für den Baugrund.
Hydrogeologische Kennwertermittlung
Bestimmung der Grundwasserleitergeometrie und Abschätzung der Transmissivität aus geoelektrischen Parametern, besonders relevant für Wasserhaltungsplanungen an den Schweriner Seen.
Typische Parameter
Fragen und Antworten
Was kostet eine geoelektrische VES-Untersuchung in Schwerin?
Fuer eine VES-Messkampagne in Schwerin mit fuenf bis sieben Sondierungspunkten und einer Erkundungstiefe bis 30 Meter liegen die Kosten je nach Gelaendezugaenglichkeit und erforderlicher Auslagekonfiguration zwischen 630 und 920 Euro. Enthalten sind die Feldmessung, die Dateninversion und ein Kurzbericht mit den geoelektrischen Profilen.
Welche Erkundungstiefe erreicht die VES in Schweriner Boeden?
Die Erkundungstiefe haengt von der Auslagelaenge der Elektroden ab. Mit einer AB/2-Distanz von 50 Metern werden in den sandig-lehmigen Boeden Schwerins Tiefen von etwa 25 bis 40 Metern erreicht, bei Auslagen ueber 100 Metern koennen auch tiefere Grundwasserleiter in ueber 80 Metern Tiefe erfasst werden, sofern der Oberflaechenwiderstand dies zulaesst.
Warum ist die Widerstandsmessung in der glazialen Geologie Schwerins sinnvoll?
Die widerstandsmessung nutzt den starken Kontrast zwischen gut leitenden Beckentonen und hochohmigen Schmelzwassersanden, der fuer die weichselkaltzeitliche Geologie Schwerins typisch ist. Dadurch lassen sich Sandlinsen als potenzielle Gruendungshorizonte zuverlaessig von setzungsempfindlichen Tonschichten unterscheiden, ohne dass ein flaechendeckendes Bohrprogramm erforderlich wird.
Wie werden die VES-Ergebnisse in das Baugrundgutachten integriert?
Die geoelektrischen Profile werden mit den Ergebnissen mechanischer Aufschluesse wie SPT oder CPT kalibriert und in das geotechnische Schichtenmodell ueberfuehrt. Das Gutachten nach DIN 4020 enthaelt die interpretierten Widerstands-Tiefen-Schnitte, die abgeleiteten Schichtgrenzen und eine Bewertung der Homogenitaet des Untergrunds. Mehr Info.
